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Niedersächsische Tierseuchenkasse

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Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis (MAP) in Rinderbeständen

  1. Übertragung und Verschleppung
  2. Krankheitsverlauf und Diagnostik von MAP im Betrieb
  3. Wirtschaftliche Gründe zur Verminderung von MAP
    a.  Tierhalter
    b.  Milchwirtschaft
  4. MAP Bekämpfung in Deutschland
  5. Das niedersächsische MAP-Verminderungsprogramm
  6. Der betriebsspezifische Paratuberkulose Verminderungsplan
  7. Wie beantrage ich die Beihilfe?
  8. Erfahrungen in anderen Ländern
     
1. Übertragung und Verschleppung
Kalb  

Paratuberkulose ist eine chronische Erkrankung des Darmes beim Wiederkäuer und wird verursacht durch den Erreger Mycobacterium avium ssp paratuberculosis (MAP). Anfällig für den Erreger sind hauptsächlich Tiere im ersten Lebensjahr. Der Erreger wird durch infektiöse Tiere, das sind in der Regel Tiere mit einem Alter von über 24 Monaten, über Kot, Milch und Kolostrum ausgeschieden. Die Übertragung findet durch den direkten Kontakt von anfälligen Tieren mit Kot, Milch und Kolostrum von infektiösen Tieren oder indirekt durch eine kontaminierte Umwelt statt.

Der wichtigste Faktor bei der Verschleppung von MAP zwischen Betrieben ist der Ankauf von infizierten bzw. infektiösen Rindern, die klinisch noch nicht auffällig sind. Abhängig von der Effizienz der Hygienemaßnahmen auf einem Betrieb wird sich der Erreger nach der Einschleppung auf einem Betrieb mehr oder weniger schnell verbreiten.
2. Krankheitsverlauf und Diagnostik von MAP im Betrieb
ELISA

Die Krankheit zeichnet sich durch eine lange Zeit zwischen Infektion und dem tatsächlichen Krankheitsausbruch aus. In dieser Zeit können die infizierten Tiere mit den momentan zur Verfügung stehenden Untersuchungsverfahren lange nicht identifiziert werden. Erst wenn die Infektion fortschreitet, bilden betroffene Tiere Antikörper, deren Nachweis mit Hilfe des ELISA erfolgt. Zudem fangen die Tiere an den Erreger regelmäßig auszuscheiden, der dann in der mikrobiologischen Kultur nachgewiesen werden kann. Ein Zusammenhang zwischen Antikörperspiegel und Ausscheidung ist bekannt. Mit der Nutzung des ELISA-Verfahrens zum Nachweis von MAP werden vor allem die infizierten Tiere in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium gefunden. Dabei ist es ein praktikables und kostengünstiges Verfahren.

 

Auch Rinder die durch Erreger- oder Antikörpernachweis als infiziert erkannt wurden, zeigen häufig noch keine auffälligen, klinischen Symptome. Mit der Zeit entwickelt sich die Krankheit bei einem Teil der Tiere weiter, wobei die diagnostische Sicherheit auch zunimmt. Klinisch äußert sich die Krankheit schließlich durch wiederkehrenden wässrigen Durchfall, verminderte Milchleistung, Abmagern und letztendlich den Tod. Eine Behandlungsmöglichkeit für betroffene Tiere gibt es nicht.

Durch den langsamen und chronischen Verlauf der Krankheit in Kombination mit der fehlenden Frühdiagnostik ist es schwierig das Vorkommen auf Rinderbetrieben richtig einzuschätzen. Eine 10-jährige Studie auf 3 Milchviehbetrieben in den USA hat gezeigt, dass das MAP Vorkommen geschätzt nach Tieren mit positivem Antikörpernachweis bei 1,4 % bzw. bei nachgewiesenen Erregern im Kot bei 2,2% lag und damit massiv unter dem auf Grund von untersuchten Gewebeproben bei Schlachtung (17%) gefundenen Vorkommen (Schukken et al., Vet Res (2015)46:65).

Umgangssprachlich wird dies auch der „Eisbergeffekt“ genannt, die auffälligen Tiere repräsentieren nur die Spitze des Eisbergs, das Problem ist also eigentlich viel größer, als es sich auf den ersten Blick zeigt. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die zur Verfügung stehenden diagnostischen Mittel sich dazu eignen, einen Teil der infizierten Tiere, nämlich diejenigen, die sich in einem fortgeschrittenen Krankheitszustand befinden, zu identifizieren. Gerade diese Tiere spielen auch eine große Rolle bei der Übertragung der Krankheit. Die Identifikation aller infizierten Tiere ist jedoch nicht möglich. Deswegen ist ein wichtiger Bestandteil eines Kontrollprogramms das Verhindern neuer Infektionen durch stringente Hygiene- und Managementmaßnahmen.

3. Wirtschaftliche Gründe zur Verminderung von MAP
  a. Tierhalter
 

MAP führt nicht nur zu tiergesundheitlichen Problemen, sondern auch zu finanziellen Einbußen für die betroffenen Tierhalter. Dass Tiere mit deutlichen klinischen Symptomen, wie beständigem wässrigen Durchfall und Abmagern unwirtschaftlich sind, kann man sich gut vorstellen. Doch auch auf Betrieben mit MAP-positiven Kühen, die nur wenige oder gar keine klinischen Fälle haben, was oft vorkommt, kostet die Krankheit Geld. In vielen wissenschaftlichen Studien wurde aufgezeigt, dass die subklinische Paratuberkulose, also die Form, in der noch keine Krankheitssymptome auftreten, zu einer Verminderung der Milchleistung (600 kg/Kuh/Laktation; nach Donat et al. 2014), zu einer erhöhten Remontierungsrate und zu einer schlechteren Futterverwertung führt. Bei gleichbleibender Futteraufnahme leiden die Kühe an Gewichtsverlust, produzieren weniger Milch und Milch mit niedrigerem Fett- und Eiweißgehalt. Doch wie hoch die Verluste, die Paratuberkulose auf Rinderbetrieben verursacht, tatsächlich sind, hängt von vielen Faktoren ab. Natürlich spielt der Durchseuchungsgrad der Herde eine Rolle, die Verteilung der Tiere über die Kategorien „infiziert“, „infektiös“ und „krank“, das Management der Herde und ihre Größe. Da ein Teil der Einbußen durch die verringerte Milchleistung verursacht wird, spielt auch der aktuelle Milchpreis eine Rolle. Kostenschätzungen wurden in verschiedenen Ländern durchgeführt. Eine Studie aus den Niederlanden hat die Kosten durch MAP auf einem Betrieb (50 Milchkühe) mit durchschnittlich 770€ pro Jahr veranschlagt. Auf betroffenen Betrieben mit klinischer Paratuberkulose werden die Kosten auf 908 € pro erkranktem Tier pro Jahr geschätzt. Eine Studie aus den USA schätzt die Kosten im Durchschnitt auf ca. 20€ pro Kuh pro Jahr. Bei betroffenen Betrieben erhöhen sich die Kosten auf 90 € pro Kuh pro Jahr und im Falle von klinischer Paratuberkulose sogar bis zu 180 € pro Jahr.   

   
  b. Milchwirtschaft

Wie bereits beschrieben, kann MAP auch über die Milch ausgeschieden werden bzw. durch Verunreinigung in die Milch gelangen. Studien haben gezeigt, dass bei einer hohen Erregerzahl in der Milch eine vollständige Abtötung durch Pasteurisierung nicht garantiert werden kann. Eine Verminderung der Tiere in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium innerhalb der Herde, bringt eine niedrigere MAP Konzentration in der Milch mit sich, was wiederum die Effektivität der Pasteurisierung erhöht.

Seit langem wird über einen zoonotischen Charakter der Paratuberkulose diskutiert. Der Erreger, Mycobacterium avium ssp paratuberculosis, wurde bei Morbus–Crohn-Patienten wiederholt, durch verschiedene Forschergruppen nachgewiesen. Allerdings steht noch nicht eindeutig fest, ob er an der Entstehung der Erkrankung beim Menschen eine Rolle spielt.  Sollte dies der Fall sein bzw. sollte ein aktuelles Ereignis dafür sorgen, dass diese Theorie in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerät, könnte dies zu erheblichen Einbußen für die Milchwirtschaft führen. Das würde dann sowohl den Milchexport, der doch einen erheblichen Teil des Absatzmarktes in Deutschland darstellt, als auch den Binnenmarkt betreffen. Eine Studie aus den USA hat verschiedene Szenarien ausgewertet, wie eine Bestätigung der Verbindung zwischen MAP und Morbus Crohn den Verbrauch von Milchprodukten beeinflussen würde (Groenendaal and Zagmutt, JDS 91:3245-3258). Nur, wenn die Milchwirtschaft glaubhaft versichern kann, dass Milch durch eine Behandlung kein Risiko für den Verbraucher darstellt, können die wirtschaftlichen Folgen für den Milchsektor eingeschränkt werden. Da die Verminderung der MAP-Ausscheider auf einem Betrieb zu einer Reduktion der Erreger in der Milch führt und damit die Effektivität der Pasteurisierung erhöht, ist dies ein wichtiger Schritt. Genau aus diesem Grund sind einige europäische Länder sind seit längerem aktiv, um das MAP-Vorkommen in Rinderbetrieben zu reduzieren. Bei flächendeckender Teilnahme kann eine bessere Qualität der Milch gewährleistet werden.

4. MAP Bekämpfung in Deutschland

In Deutschland besteht eine Meldepflicht für MAP beim Rind für die Fälle, in denen ein Erregernachweis geführt wurde. Im Schnitt werden jedes Jahr 350 Fälle bekannt.

Derzeit gibt es in Deutschland keine flächendeckende MAP-Bekämpfung. Einzelne Bundesländer haben verschiedene Bekämpfungsprogramme ins Leben gerufen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat Empfehlungen für hygienische Anforderungen an das Halten von Wiederkäuern formuliert . Hierbei gibt es einen speziellen Teil mit Maßnahmen zum Schutz gegen MAP in Rinderhaltungen. Die Empfehlungen haben als Ziel, auf die Notwendigkeit von Hygienemaßnahmen hinzuweisen und das Bewusstsein für die Risiken einer Verschleppung von Tierseuchen zu schärfen. Zudem helfen sie eine Vereinheitlichung der Maßnahmen der verschiedenen Bundesländer voran zu treiben. Auch die Tierärztekammer Niedersachsen hat in enger Zusammenarbeit mit Vertretern aus Veterinärbehörden, tierärztlichen Praxen, Landwirtschaft und Wirtschaft einen „Leitfaden Biosicherheit in Rinderbetrieben“ mit einem Anhang zur Paratuberkulosebekämpfung erarbeitet. Dieser Leitfaden gilt als Basis für den MAP-Verminderungsplan, der eine wichtige Rolle im neuen niedersächsischen Paratuberkuloseverminderungsprogramm spielt (siehe unten).

Auch hat das Friedrich-Loeffler-Institut einen Paratuberkulose-Ratgeber mit einer Checkliste herausgegeben, mit deren Hilfe der Tierhalter zusammen mit seinem Hoftierarzt den Hygienestatus seines Betriebs feststellen kann.

   
5. Das niedersächsische MAP-Verminderungsprogramm (NMVP)

Auf Initiative des Landvolks und der Landesvereinigung der Milchwirtschaft haben das Land Niedersachsen und die Niedersächsische Tierseuchenkasse in Zusammenarbeit mit Vertretern der Tierärztekammer Niedersachsen, aus Veterinärbehörden, tierärztlichen Praxen, Landwirtschaft und Wirtschaft ein neues MAP-Verminderungsprogramm erarbeitet. Zudem wurde mit dem Friedrich-Loeffler-Institut ein Diagnostikverfahren abgestimmt, wobei die für die BHV1-Untersuchungen genommenen Proben für die MAP-Diagnostik genutzt werden können. Seit Inkrafttreten der Beihilfesatzung am 1.7.2016 können motivierte Rinderhalter am MAP-Verminderungsprogramm teilnehmen und es werden unter bestimmten Voraussetzungen umfassende Beihilfen für die Diagnostik, die Entfernung der infizierten Tiere und die Erstellung eines betriebsspezifischen Paratuberkulose-Verminderungsplans ausgezahlt (Link Satzung). Um die am NMVP teilnehmenden Betriebe nicht massiv zu diskriminieren, basiert das Programm auf dem spezifischen Antikörpernachweis und nicht auf dem Erregernachweis. Da die Erfahrung gelehrt hat, dass freiwillige Bekämpfungsprogramme nur eine begrenzte Teilnehmerzahl erreichen, während für die gesetzten Ziele eine flächendeckende Teilnahme benötigt wird, hat das Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz , eine Paratuberkulose-Verordnung erlassen. Seit dem 1.11.2017 gilt in Niedersachsen die „Niedersächsische Verordnung zum Schutz der Rinder gegen die Paratuberkulose“ . Die Nds. ParaTB-VO beinhaltet eine Untersuchungspflicht für alle zur Milchgewinnung gehaltenen Zuchtrinder >24 Monate, sowie eine Beratungsverpflichtung für alle Betriebe mit einem positiven MAP-Befund. Zudem umfasst sie ein Verbot für das Verbringen MAP-positiv getesteter Rinder auf niedersächsische Betriebe. Die regelmäßigen Untersuchungen sollen das Bewusstsein für die MAP-Problematik auf niedersächsischen Rinderbetrieben schärfen und die Verbreitung von MAP zwischen den Betrieben eindämmen.

Dank des Beschlusses des Vorstandes und des Verwaltungsrates der Niedersächsischen Tierseuchenkasse konnten interessierte Tierhalter schon seit Herbst 2016 eine erste unverbindliche MAP-Statuserhebung, also ohne Unterzeichnung einer Verpflichtungserklärung, ihres Betriebes durchführen lassen. Dabei wurden Beihilfe für Probenahmekosten und Diagnostik für eine Erstuntersuchung sowie die Erstberatung im Falle eines vorliegenden MAP-positiven Einzeltierergebnisses ohne eine Verpflichtungserklärung gewährt. Primär sollten auch diese Einstiegsuntersuchungen über BHV1-Sammelmilchen laufen, interessierte Rinderhalter konnten ihren Tierarzt oder Milchleistungsprüfer jedoch direkt beauftragen Einzeltierproben aller Zuchtrinder >24 Monate zu nehmen und diese im LAVES, der LUFA oder im Tierärztlichen Institut der Universität Göttingen auf MAP-Antikörper untersuchen lassen. Einem positiven Befund folgte eine Empfehlung für ein Beratungsgespräch.

Von Oktober 2016 bis August 2017 haben ein Drittel der Milchviehbetriebe in Niedersachsen eine erste Bestandsuntersuchung durchgeführt. Mehr als die Hälfte der Betriebe entschied sich sofort für eine Einzeltieruntersuchung. Erste Ergebnisse zeigen, dass ca. 15% der bisher untersuchten Betriebe ein Paratuberkulosevorkommen in der Herde von über 5% haben, also zur Zielgruppe des MAP-Verminderungsprogrammes gehören. Ein Großteil der untersuchten Betriebe hat also ein relativ niedriges MAP Vorkommen

Seit Inkrafttreten der Beihilfesatzung gilt für Rinderhalter mit MAP-positiven Herden, dass sie mit Unterzeichnung einer Verpflichtungserklärung in das MAP-Verminderungsprogramm der Nds. Tierseuchenkasse einsteigen können. Das Inkrafttreten der ParaTB-VO hat an diesem Vorgehen nichts geändert. Der große Vorteil für die teilnehmenden Betriebe ist die Möglichkeit auch für die Folgeberatungen und Tierverluste eine Beihilfe beantragen zu können. Dies empfiehlt sich besonders für Betriebe mit einem hohen MAP-Vorkommen. Betriebe mit einem Vorkommen unter 5 % können mit dem Programm nur schwierig deutliche Erfolge erzielen (Reduktion ist das Ziel!), doch auch sie können sich dem Programm anschließen. Nachdem die Verpflichtungserklärung bei der zuständigen kommunalen Veterinärbehörde hinterlegt ist, wird das MAP-Verminderungsprogramm, wie in Abbildung 1 dargestellt, durchlaufen. Die eingesetzte Diagnostik entspricht der, wie sie durch die Verordnung vorgeschrieben ist. Zusammengefasst, in Beständen mit positiven Sammelmilchproben werden Einzeltierproben genommen, um positive Tiere zu identifizieren. Zukünftig ist vorgesehen, die Ergebnisse der Antikörperuntersuchungen in der HI-Tier-Datenbank zu speichern. Zudem müssen am MAP-Verminderungsprogramm teilnehmende Betriebe aktiv an der Umsetzung des MAP-Verminderungsplanes (siehe Punkt 6) arbeiten. Zusätzlich müssen teilnehmende Tierhalter, die in der Herde verbleibenden MAP-positiven Tiere mit einer roten Ohrmarke markieren, damit diese Tiere leicht zu identifizieren sind. Die rote Ohrmarke kann das Veterinäramt über die Tierseuchenkasse beziehen. Zudem gelten auf teilnehmenden Betrieben für MAP-positive Rinder ein Wiederbelegungsverbot, ein Verbringungsverbot mit Ausnahme zur Schlachtung und ein Entfernungsgebot innerhalb von 18 Monaten nach dem Testergebnis. In betroffenen Beständen müssen Tiere einzeln beprobt werden, bis der Anteil MAP-positiver Tiere unter 2% gesunken ist, dies entspricht den Vorgaben der Verordnung. Danach können Betriebe wieder in die Sammelmilch-Untersuchung zurückkehren. Die verpflichtende Teilnahme am Programm berechtigt den Tierhalter auch Beihilfen für Tierverluste zu beantragen. Bei Einhaltung der Bedingungen werden 100 % des gemeinen Wertes abzüglich des Schlachterlöses gewährt.

Eine Zusammenfassung des Programms finden Sie auf dem Merkblatt Bekämpfung der Paratuberkulose in Niedersachsen.

 

6. Der betriebsspezifische Paratuberkulose Verminderungsplan

Kälber

Neben der Identifizierung und Entfernung MAP-positiver Tiere ist ein zentraler Bestandteil des NPVP der betriebsspezifische MAP-Verminderungsplan. Positive Betriebe müssen in Zusammenarbeit mit ihrem Hoftierarzt eine Biosicherheitsanalyse durchführen. Dazu wird die aktuelle Situation auf dem Hof anhand des aktuellen Leitfadens für Biosicherheit in Rinderhaltungen der Tierärztekammer Niedersachsen beurteilt. Dies wird in einer Ist-Beschreibung zusammengefasst, in der Stärken und Schwächen des Betriebs festgehalten werden. Unter anderem wird eine Checkliste eingesetzt, die die Biosicherheitsmaßnahmen durch Punkte gewichtet. Je niedriger die erreichte Punktzahl, desto besser. Dann gilt es konkrete Verbesserungsmaßnahmen zu formulieren und diese mit einem Zeitplan zu versehen. Manche Maßnahmen bedürfen nur einer Umstellung der Arbeitsroutine und können deswegen zeitnah umgesetzt werden, während für andere vielleicht bauliche Veränderungen oder eine Umstrukturierung des Betriebs nötig sind und deswegen eine längerfristige Vorlaufzeit brauchen. Nach einem Jahr werden die Produktionszahlen, die Entwicklung der Paratuberkulose und die Umsetzung der Maßnahmen evaluiert und gegebenenfalls nachgebessert.

                  
   
7. Wie beantrage ich die Beihilfe?

Eine Voraussetzung für die Auszahlung einer Beihilfe ist die Erfüllung der Melde- und Beitragspflicht. Die Beihilfen werden über die kommunale Veterinärbehörde beantragt (Abb. 2). Beihilfen für tierärztliche Leistungen für die Probenahme und Beratung können über den Antrag auf Gewährung einer Beihilfe für tierärztliche Leistungen bei der jeweiligen kommunalen Veterinärbehörde eingereicht werden (grünes Formular; beim Tierarzt erhältlich). Im Allgemeinen muss auf dem Antrag in der Spalte „Maßnahme“ beschrieben werden, um welche Maßnahme es sich handelt und ob es eine Erst- oder Folgemaßnahme betrifft. Bei einem Antrag auf Beihilfe für Beratung muss der ausgearbeitete MAP-Verminderungsplan dem Beihilfeantrag beigefügt werden. Ohne ausgefüllten MAP-Verminderungsplan kann die Beihilfe für die Beratung nicht gewährt werden. Werden Milchproben (Sammel- oder Einzelmilchproben) zur Untersuchung genutzt, muss den Milchproben ein unterschriebener Untersuchungsantrag beigefügt werden, damit die genommenen Proben zur Untersuchung weitergeleitet werden.

Seit Inkrafttreten der Verordnung werden für Milchviehhalter sowohl die Erst- als auch die Folgeuntersuchung mit einer Beihilfe versehen. Diese bezahlt je zur Hälfte die TSK und das Land. Die Folgeberatung wird auch bei Milchviehaltern nur mit Beihilfen versehen, wenn eine Verpflichtungserklärung vorliegt.

Da Mutterkuhhalter nicht in die Verordnung aufgenommen wurden, gilt für diese Tierhalter weiterhin, dass nur eine Erstuntersuchung und im Falle eines positiven Ergebnisses eine Erstberatung beihilfefähig sind. Für eine Wiederholungsuntersuchung bzw. Folgeberatung muss der Mutterkuhhalter eine Verpflichtungserklärung zur Teilnahme am MAP-Verminderungsprogramm unterschreiben und die dort genannten Anforderungen auch erfüllen. Die kommunale Veterinärbehörde muss das Vorliegen der Verpflichtungserklärung auf dem Beihilfeantrag für bestätigen.

Für sowohl Milchviehhalter als auch Mutterkuhhalter gilt, dass eine Gewährung der Beihilfe für Tierverluste nur erfolgen kann, wenn eine Verpflichtungserklärung bei der zuständigen Veterinärbehörde vorliegt und die Tierhalter die Voraussetzungen laut Beihilfesatzung erfüllen. Die Beihilfe für Tierverluste wird über einen Leistungsantrag zusammen mit der Anlage Beihilfe MAP beantragt (Beide zum Download im Login Bereich der TSK-Homepage). Zudem muss eine Liste der MAP-Reagenten bzw. Erregerausscheider (Ausdruck aus HI-Tier oder eine selbsterstellte Reagenten-Liste mit Unterschrift und Dienstsiegel der kommunalen Veterinärbehörde und den dazugehörigen Laborbefunden) und eine Abrechnung der Schlachtstätte eingereicht werden. Der gemeine Wert des Rindes wird mit Hilfe der Wertermittlungsrichtlinie für Rinder ermittelt. Beihilfen für Tierverluste werden nur gezahlt für Tiere, die aufgrund des positiven MAP-Befundes geschlachtet wurden. Tiere mit einem positiven MAP-Befund, die aufgrund von klinischer Paratuberkulose oder aus anderen gesundheitlichen Problemen eingeschläfert werden oder die keinen Schlachterlös erbracht haben, sind nicht beihilfefähig.

 
8. Erfahrungen in anderen Ländern

In einigen Bundesländern gibt es freiwillige Paratuberkulose-Programme , bei denen die Sanierung im Vordergrund steht.
In den Niederlanden läuft, nach einer anfänglichen Testphase mit 700 Betrieben, seit 2010 ein nahezu flächendeckendes Paratuberkuloseprogramm. Die Teilnahme gehört zu den Lieferbedingungen der Molkereien. Die Teilnahmekosten liegen bei den Tierhaltern. Anhand eines Antikörpernachweises in Milchproben der Milchleistungsprüfung werden in regelmäßigen Abständen die Herden auf Paratuberkulose untersucht. Herden ohne Reagenten erhalten Status A, Herden mit Reagenten Status C und nach Entfernung der Reagenten innerhalb von 6 Wochen Status B. Nur Herden mit Status A oder B dürfen Milch liefern. Hygienemaßnahmen werden empfohlen, sind jedoch nicht verpflichtend. Ergebnisse sind derzeit nur für die Betriebe der Testphase verfügbar. 58% der Betriebe starteten mit Status A und nach 6 Jahren erreichen 75% der Betriebe Status A. Die Anzahl der Status A Betriebe steigt über den Zeitraum stetig an. Die MAP-Prävalenz in den Herden ist über die Jahre gesunken.
In Dänemark läuft seit 2006 ein freiwilliges Kontrollprogramm. Viermal im Jahr werden Einzelmilchproben auf Antikörper untersucht und an Hand der Ergebnisse werden die Tiere in verschiedene Risikogruppen eingeteilt. Nach anderthalb Jahren Laufzeit nahmen 23% der Milchviehbetriebe teil. Für die verschiedenen Risikogruppen gibt es verschiedene Hygienemaßnahmen, je höher die Risikogruppe, desto strenger die Maßnahmen. Außerdem wird eine Biosicherheitsanalyse des Betriebs durchgeführt, um Risikobereiche zu identifizieren. Das Gespräch zwischen Hoftierarzt und Tierhalter spielt eine wichtige Rolle. Tierhalter werden darüber aufgeklärt, dass eine erfolgreiche Teilnahme mindestens 6-8 Jahre dauert.

 
 

 

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